EU plant eigenes 5G-Netz für Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste

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Die Europäische Union will die Kommunikation von Polizei, Feuerwehr, Rettungsdiensten und Katastrophenschutz grundlegend modernisieren. Die EU-Kommission hat dafür ein neues EU Critical Communication System (EUCCS) vorgeschlagen.

Das System soll moderne Breitbandtechnologien wie 5G nutzen und Einsatzkräften eine sichere Kommunikation über Ländergrenzen hinweg ermöglichen. Auch Satelliten sollen eingebunden werden, damit die Verbindung selbst dann aufrechterhalten werden kann, wenn normale Mobilfunknetze ausfallen.

Einsatzkräfte sollen europaweit miteinander kommunizieren können

Ein Problem besteht bislang darin, dass die nationalen Kommunikationssysteme von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdiensten nicht vollständig miteinander kompatibel sind.

Überqueren Einsatzkräfte bei einem grenzüberschreitenden Einsatz eine Landesgrenze, kann die direkte Kommunikation mit Behörden und Rettungsdiensten anderer Staaten deshalb schwierig werden.

Das neue EUCCS soll die nationalen Systeme miteinander verbinden. Vorgesehen ist eine gemeinsame Infrastruktur für die 27 EU-Mitgliedstaaten sowie die Schengen-assoziierten Länder.

Einsatzkräfte sollen dadurch auch bei größeren Katastrophen oder internationalen Einsätzen in Echtzeit miteinander kommunizieren können.

Von klassischem Funk zu 5G

Ein wichtiger Bestandteil des Projekts ist der Wechsel von bisherigen Schmalband-Funksystemen hin zu modernen Breitbandtechnologien.

Dabei soll unter anderem 5G zum Einsatz kommen.

Der Vorteil: Über das neue System könnten Einsatzkräfte künftig nicht mehr ausschließlich Sprache übertragen. Geplant ist auch der Austausch von:

  • Videos
  • Bildern und Daten
  • Textnachrichten
  • Standortinformationen
  • Einsatzinformationen in Echtzeit

Die verschiedenen Funktionen sollen über ein sicheres Endgerät verfügbar sein. Grundlage sollen unter anderem sogenannte 3GPP Mission Critical Services sein.

Satelliten sollen einspringen, wenn Mobilfunknetze ausfallen

Besonders interessant ist die geplante Kombination aus terrestrischen Mobilfunknetzen und Satellitenkommunikation.

Fällt bei einem Stromausfall, einer Naturkatastrophe oder einem anderen größeren Ereignis die normale Kommunikationsinfrastruktur aus, sollen Satelliten als zusätzliche Verbindungsebene dienen.

Die EU prüft dabei unter anderem, ob das europäische Satellitensystem IRIS² als unterstützende Infrastruktur eingesetzt werden kann.

Damit könnten Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste beispielsweise auch bei großflächigen Stromausfällen oder zerstörter Mobilfunkinfrastruktur weiter miteinander kommunizieren.

Auch mobile Mobilfunkmasten sind vorgesehen

Die EU-Kommission plant darüber hinaus mobile Kommunikationssysteme, die bei Katastrophen kurzfristig in betroffene Regionen gebracht werden können.

Denkbar sind beispielsweise Mobilfunkmasten auf Fahrzeugen mit eigener Stromversorgung. Sie könnten dort eingesetzt werden, wo bestehende Netze beschädigt oder komplett ausgefallen sind.

Gerade bei Überschwemmungen, Waldbränden oder schweren Unwettern könnte eine solche Infrastruktur eine wichtige zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit darstellen.

Sicherheit spielt eine zentrale Rolle

Da über das Netzwerk sensible Informationen von Polizei, Rettungsdiensten und Sicherheitsbehörden übertragen werden sollen, legt die EU besonderen Wert auf die Absicherung des Systems.

Die Kommunikation soll verschlüsselt und gegen Cyberangriffe sowie hybride Bedrohungen geschützt werden.

Zusätzlich sind ein europäisches Netzwerküberwachungszentrum sowie ein Sicherheitsüberwachungszentrum vorgesehen. Diese sollen unter anderem die Infrastruktur überwachen und mögliche Cyberrisiken erkennen.

Wichtige Technik soll aus Europa kommen

Bei dem Projekt spielt auch die Herkunft der eingesetzten Technik eine Rolle.

Nach Angaben der EU-Kommission sollen kritische Komponenten wie Satellitentechnik, das Mobilfunk-Kernnetz und zentrale Breitbandtechnologien von europäischen Unternehmen entwickelt beziehungsweise bereitgestellt werden.

Die Kommission verbindet das Projekt damit auch mit dem Ziel, die Abhängigkeit Europas von außereuropäischen Technologien in besonders sicherheitsrelevanten Bereichen zu reduzieren.

Start ab 2030 geplant

Bis zur tatsächlichen Einführung wird allerdings noch einige Zeit vergehen.

Die EU-Kommission hat bislang einen Gesetzgebungsvorschlag vorgelegt. Dieser muss nun vom Europäischen Parlament und vom Rat beraten und beschlossen werden.

Nach dem derzeitigen Zeitplan soll das EU Critical Communication System ab 2030 schrittweise eingeführt werden. Die einzelnen Staaten erhalten anschließend eine Übergangsphase, um ihre nationalen Systeme mit dem europäischen Netzwerk zu verbinden.

Kein normales 5G-Netz für Verbraucher

Das geplante EUCCS darf dabei nicht mit einem weiteren öffentlichen Mobilfunknetz wie Telekom, Vodafone, O2 oder 1&1 verwechselt werden.

Das System richtet sich speziell an Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Katastrophenschutz und weitere Behörden beziehungsweise Einsatzorganisationen.

5G soll dabei als eine der technischen Grundlagen dienen, um die bisher überwiegend sprachbasierte Einsatzkommunikation um schnelle Datenübertragungen, Videos und weitere digitale Dienste zu erweitern.

Sollte der Vorschlag umgesetzt werden, könnte damit in den kommenden Jahren eine europaweit vernetzte Kommunikationsinfrastruktur für Einsatzkräfte entstehen.

Quelle: Europäische Kommission

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