Telekom, Vodafone, O2 und Orange planen Satelliten-Mobilfunk – Europas Antwort auf Starlink?

Telekom, Vodafone, O2 und Orange planen Satelliten-Mobilfunk – Europas Antwort auf Starlink?
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Telekom, Vodafone, O2 und Orange planen Satelliten-Mobilfunk – Europas Antwort auf Starlink?

Europas größte Mobilfunkanbieter könnten beim Satelliten-Mobilfunk künftig gemeinsame Sache machen. Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange befinden sich laut einem aktuellen Bericht in vorläufigen Gesprächen über ein gemeinsames Konsortium. Ziel könnte es sein, sich Frequenzen für Direct-to-Mobile-Dienste in Europa zu sichern.

Das Thema ist besonders spannend, weil Satelliten künftig direkt mit kompatiblen Smartphones kommunizieren können. Funklöcher könnten dadurch zumindest teilweise geschlossen werden, ohne dass an jedem abgelegenen Standort ein klassischer Mobilfunkmast errichtet werden muss.

Doch handelt es sich tatsächlich um eine europäische Antwort auf Starlink? Ganz so einfach ist die Situation nicht – zumal die Deutsche Telekom bereits eine weitreichende Partnerschaft mit Starlink geschlossen hat.

Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange führen Gespräche

Wie Reuters unter Berufung auf Bloomberg berichtet, befinden sich Deutsche Telekom, Vodafone Group, Telefónica und Orange in vorläufigen Gesprächen über die Bildung eines gemeinsamen Konsortiums.

Dieses könnte sich um Satellitenfrequenzen bewerben, die von der Europäischen Union für sogenannte Direct-to-Mobile-Dienste vorgesehen werden.

Dabei geht es Berichten zufolge um Frequenzen im 2-GHz-Bereich. Europa möchte entsprechende Kapazitäten unter anderem dafür nutzen, eigene satellitengestützte Kommunikationsangebote zu stärken.

Wichtig: Bislang handelt es sich um Gespräche. Eine endgültige Entscheidung zur Gründung eines solchen Konsortiums oder zu einer gemeinsamen Bewerbung ist nach aktuellem Stand noch nicht gefallen.

Was bedeutet Direct-to-Mobile?

Direct-to-Mobile, Direct-to-Device oder kurz D2D bezeichnet eine Technologie, bei der sich ein kompatibles Smartphone direkt mit einem Satelliten verbinden kann.

Das unterscheidet sich grundlegend vom klassischen Satelliteninternet. Bei einem normalen Starlink-Anschluss wird beispielsweise eine separate Satellitenantenne benötigt. Beim Direct-to-Device-Prinzip soll dagegen das Smartphone selbst die Verbindung herstellen.

Besonders interessant ist die Technik in Regionen, in denen kein terrestrisches Mobilfunknetz verfügbar ist. Statt überhaupt keinen Empfang zu haben, könnte das Smartphone auf eine Satellitenverbindung zurückgreifen.

Je nach technischer Umsetzung können darüber beispielsweise folgende Dienste ermöglicht werden:

  • SMS und Messaging
  • Telefonate
  • mobile Daten
  • Notfallkommunikation
  • Kommunikation bei Ausfällen terrestrischer Mobilfunknetze

EU will eigene Satelliten-Infrastruktur stärken

Hinter den Gesprächen steckt gleichzeitig eine größere europäische Strategie. Die Europäische Union möchte ihre Abhängigkeit von außereuropäischen Technologie- und Infrastrukturunternehmen reduzieren und eigene Satellitenkapazitäten aufbauen.

Eine zentrale Rolle spielt dabei IRIS². Das europäische Satellitenprojekt soll aus einer Multi-Orbit-Konstellation mit rund 290 Satelliten bestehen.

IRIS² soll Europa eine eigene sichere und resiliente Satellitenkommunikations-Infrastruktur ermöglichen und gleichzeitig kommerzielle Anwendungen unterstützen.

Nach den aktuellen Informationen sollen zwei Drittel der verfügbaren Kapazitäten für kommerzielle Anwendungen vorgesehen werden. Ein Teil davon soll europäischen Anbietern zur Verfügung stehen.

Ist das Europas Antwort auf Starlink?

Der Vergleich mit Starlink liegt natürlich nahe. SpaceX hat mit Starlink bereits eine riesige Satellitenkonstellation aufgebaut und arbeitet intensiv daran, Satellitenkommunikation direkt auf Smartphones zu bringen.

Europa möchte gleichzeitig eine stärkere eigene Satelliten-Infrastruktur etablieren. Sollten sich Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange tatsächlich zusammenschließen, könnte daraus ein wichtiger europäischer Baustein für Direct-to-Mobile entstehen.

Von einer fertigen „Starlink-Alternative“ zu sprechen, wäre aktuell allerdings verfrüht.

Bislang gibt es weder ein endgültig beschlossenes Konsortium noch einen angekündigten kommerziellen Mobilfunktarif. Die Gespräche zeigen jedoch, wie strategisch wichtig Satelliten-Mobilfunk inzwischen für Europas größte Netzbetreiber geworden ist.

Besonders interessant: Telekom arbeitet bereits mit Starlink zusammen

Die Situation wird durch einen weiteren Punkt besonders interessant: Die Deutsche Telekom hat bereits eine Partnerschaft mit Starlink für Satellite-to-Mobile geschlossen.

Die Telekom möchte damit Funklöcher in mehreren europäischen Ländern schließen. Der kommerzielle Start ist nach bisheriger Planung für Anfang 2028 vorgesehen.

Kompatible Smartphones sollen sich dann automatisch mit Starlink-Satelliten verbinden können, wenn kein terrestrisches Mobilfunknetz verfügbar ist.

Mehr dazu haben wir bereits ausführlich berichtet:

Das Ende der Funklöcher? Telekom und Starlink besiegeln Partnerschaft für Satelliten-Mobilfunk

Die Telekom selbst spricht dabei von einem „Überall-Netz“. Das terrestrische Mobilfunknetz bleibt die wichtigste Verbindungsebene. Dort, wo dieses nicht verfügbar ist, soll die Satellitenverbindung ergänzend einspringen.

Telekom könnte damit auf mehrere Satellitenlösungen setzen

Das vermeintliche Konkurrenzverhältnis zwischen einem europäischen Projekt und Starlink muss deshalb differenziert betrachtet werden.

Die Beteiligung der Deutschen Telekom an den aktuellen Gesprächen bedeutet nicht automatisch, dass das Unternehmen seine Zusammenarbeit mit Starlink infrage stellt.

Vielmehr könnten Mobilfunkanbieter langfristig unterschiedliche Satelliten-Infrastrukturen nutzen. Satelliten könnten damit ähnlich wie verschiedene Netzebenen behandelt werden und je nach Verfügbarkeit, Region oder Anwendung zum Einsatz kommen.

Gerade für die Telekom wäre eine solche Strategie nachvollziehbar: Starlink könnte kurzfristig beziehungsweise ab 2028 zusätzliche Netzabdeckung liefern, während europäische Satellitensysteme langfristig eine weitere Infrastruktur-Ebene schaffen könnten.

Satelliten-Mobilfunk könnte klassische Funklöcher deutlich reduzieren

Für Verbraucher ist letztlich weniger entscheidend, welcher Satellitenbetreiber hinter der Verbindung steht. Interessanter ist die Frage, ob das Smartphone auch dort funktioniert, wo heute „Kein Netz“ angezeigt wird.

Vor allem ländliche Regionen, Gebirge, Küstenregionen und andere schwer erschließbare Gebiete könnten von Direct-to-Device profitieren.

Der klassische Mobilfunkmast wird dadurch allerdings nicht überflüssig. Terrestrische LTE- und 5G-Netze bieten weiterhin wesentlich höhere Kapazitäten und sind insbesondere in dicht besiedelten Gebieten unverzichtbar.

Satelliten-Mobilfunk ist deshalb eher als zusätzliche Netzebene zu verstehen, die dort übernimmt, wo die klassische Mobilfunkversorgung an ihre Grenzen stößt.

Starlink expandiert gleichzeitig weiter in Europa

Parallel dazu treibt Starlink seine Expansion in Europa und insbesondere auf dem Balkan weiter voran.

In Bosnien und Herzegowina läuft beispielsweise bereits das regulatorische Verfahren. SmartphoneAmigo.de hat die Entwicklung in den vergangenen Monaten intensiv verfolgt:

Starlink in Bosnien und Herzegowina: Lizenzantrag läuft – Start rückt näher

Auch in Montenegro wurden inzwischen konkrete Vorbereitungen getroffen:

Starlink Montenegro: Firma gegründet – Start rückt näher

Damit zeichnet sich zunehmend ein Wettbewerb um die künftige Satellitenkommunikation in Europa ab.

SmartphoneAmigo-Einschätzung

Satelliten-Mobilfunk entwickelt sich von einer Nischentechnologie zu einem wichtigen Bestandteil zukünftiger Mobilfunknetze.

Besonders bemerkenswert ist deshalb, dass mit Deutsche Telekom, Vodafone, Telefónica und Orange gleich vier der größten europäischen Telekommunikationskonzerne über eine gemeinsame Strategie nachdenken.

Eine fertige europäische Alternative zu Starlink gibt es damit noch lange nicht. Die Gespräche zeigen aber, dass Europa beim Direct-to-Mobile-Markt nicht vollständig von amerikanischen Satellitenkonstellationen abhängig sein möchte.

Für Mobilfunkkunden könnte der zunehmende Wettbewerb langfristig eine sehr positive Entwicklung sein. Wenn terrestrisches 5G, Starlink und europäische Satellitennetze miteinander kombiniert werden, könnten klassische Funklöcher in einigen Jahren deutlich seltener werden.

Die entscheidenden Fragen bleiben nun: Kommt das gemeinsame Konsortium tatsächlich zustande, welche Frequenzen erhält es und wann könnten daraus erste kommerzielle Angebote für Smartphone-Nutzer entstehen?


Quellen und weiterführende Informationen:

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