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Starlink Mobile kommt nach Europa: Satelliten sollen Funklöcher in Mobilfunknetzen schließen
Starlink direkt auf dem Smartphone – und das ohne Starlink-Antenne: Genau das soll künftig auch in weiteren europäischen Ländern möglich werden. Die ungarische 4iG Group und SpaceX haben eine weitreichende Vereinbarung zur Einführung von Starlink Mobile geschlossen. Zunächst stehen Ungarn und Albanien im Fokus. Später sollen mit der nächsten Generation Starlink Mobile V2 auch Montenegro und Nordmazedonien folgen.
Wichtig ist dabei eine Unterscheidung: Starlink soll hier nicht einfach als klassischer Mobilfunkanbieter mit einem eigenen Mobilfunknetz auftreten. Vielmehr wird die Satelliteninfrastruktur in die Netze bestehender Mobilfunkanbieter integriert. Vereinfacht gesagt könnten Starlink-Satelliten dort einspringen, wo Mobilfunkmasten nicht mehr erreichbar sind.
4iG und SpaceX schließen Starlink-Mobile-Vereinbarung
Am 2. September 2026 haben die 4iG Group und SpaceX ihre neue Zusammenarbeit offiziell bekannt gegeben. Die Vereinbarung wurde in Texas von 4iG-CEO Gellért Jászai und SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell unterzeichnet.
Das Ziel ist insbesondere die Ergänzung bestehender terrestrischer Mobilfunknetze. Starlink Mobile soll dort eine Verbindung ermöglichen, wo die normale Netzabdeckung eingeschränkt oder überhaupt nicht vorhanden ist. Darüber hinaus kann die Satellitenverbindung bei Notfällen oder temporären Ausfällen der Mobilfunkinfrastruktur als zusätzliche Kommunikationsmöglichkeit dienen.
Starlink wird zum „Mobilfunkmast im All“
Das Prinzip hinter Starlink Mobile beziehungsweise Direct to Cell ist vergleichsweise einfach zu erklären. Normalerweise verbindet sich ein Smartphone mit einem Mobilfunkmast am Boden. Befindet man sich außerhalb der Reichweite des Mobilfunknetzes, verschwindet die Verbindung.
Starlink Mobile ergänzt diesen Weg:
Normales Mobilfunknetz:
Smartphone → Mobilfunkmast → Mobilfunknetz
Starlink Mobile:
Smartphone → Starlink-Satellit → Mobilfunknetz des Anbieters
Der Starlink-Satellit übernimmt damit vereinfacht gesagt einen Teil der Funktion eines Mobilfunkmastes im Weltraum. Für Nutzer ist besonders interessant, dass dafür grundsätzlich keine klassische Starlink-Schüssel und kein separates Satellitenterminal erforderlich sind.
Nach Angaben von 4iG können LTE-kompatible Smartphones direkt mit der Starlink-Satellitenkonstellation kommunizieren. Damit unterscheidet sich Starlink Mobile grundlegend vom bekannten Starlink-Internetanschluss für Häuser, Unternehmen oder Wohnmobile.
Starlink Mobile macht Mobilfunkanbieter nicht überflüssig
Ein wichtiger Punkt wird bei der Diskussion um Satelliten-Mobilfunk häufig missverstanden: Die neue Technik bedeutet nicht zwangsläufig, dass Starlink zum direkten Konkurrenten der bestehenden Mobilfunkanbieter wird.
Bei diesem Modell arbeiten SpaceX beziehungsweise Starlink und die jeweiligen Mobilfunkunternehmen zusammen. Die Mobilfunkanbieter können die Satelliteninfrastruktur nutzen, um ihre vorhandenen terrestrischen Netze zu ergänzen.
Das dürfte insbesondere für Gebiete interessant sein, in denen sich zusätzliche Mobilfunkmasten wirtschaftlich nur schwer realisieren lassen. Dazu gehören dünn besiedelte Regionen, Berge, abgelegene Straßen oder Küstengebiete.
SpaceX beschreibt die technische Integration ähnlich: Mobilfunkpartner stellen bei der ersten Direct-to-Cell-Generation unter anderem Mobilfunkspektrum bereit. Starlink kann dadurch wie ein zusätzlicher Roaming-Partner in die Netzinfrastruktur der Mobilfunkunternehmen integriert werden.
Ungarn und Albanien sollen den Anfang machen
Besonders konkret wird die Vereinbarung für Ungarn und Albanien. In diesen beiden Ländern möchte die 4iG Group den kommerziellen Starlink-Mobile-Dienst der ersten Generation einführen.
Einen konkreten Starttermin gibt es allerdings noch nicht. 4iG weist ausdrücklich darauf hin, dass die tatsächliche Einführung von regulatorischen, technischen und kommerziellen Voraussetzungen in den jeweiligen Märkten abhängig ist.
Gerade Albanien ist für diese Technologie interessant. Das Land besitzt zahlreiche Bergregionen, in denen der Aufbau einer flächendeckenden terrestrischen Mobilfunkinfrastruktur anspruchsvoll sein kann. 4iG nennt neben Bergregionen ausdrücklich auch Küstengewässer als Gebiete, in denen Starlink Mobile die Verfügbarkeit von Mobilkommunikation verbessern könnte.
Starlink Mobile V2: Montenegro und Nordmazedonien kommen hinzu
Die Zusammenarbeit geht jedoch deutlich weiter. Nach der ersten Starlink-Mobile-Generation ist bereits die nächste Generation namens Starlink Mobile V2 vorgesehen.
Diese soll auf den globalen 2-GHz-Frequenzrechten von SpaceX aufbauen und 5G-basierte Non-Terrestrial-Network-Funktionen (5G NTN) ermöglichen.
Für Starlink Mobile V2 nennt 4iG vier Länder:
- Ungarn
- Albanien
- Montenegro
- Nordmazedonien
Damit wird deutlich, dass SpaceX und 4iG nicht nur ein einzelnes Pilotprojekt planen. Vielmehr zeichnet sich ein länderübergreifender Ausbau des Satelliten-Mobilfunks in Südosteuropa und insbesondere auf dem Westbalkan ab.
V2 soll schnelles Internet direkt aufs Smartphone bringen
Besonders interessant ist die technische Weiterentwicklung. Während die erste Generation von Direct to Cell zunächst mit vergleichsweise begrenzten Mobilfunkdiensten gestartet ist, soll Starlink Mobile V2 erheblich leistungsfähiger werden.
SpaceX-Präsidentin Gwynne Shotwell erklärte im Zusammenhang mit der 4iG-Vereinbarung, dass V2 schnelles Breitband direkt auf Mobiltelefonen ermöglichen soll.
Starlink selbst beschreibt Starlink Mobile inzwischen als Satelliten-Mobilfunkplattform für Daten, Sprache, Video und Messaging. Die nächste Satellitengeneration soll die Kapazitäten nochmals deutlich ausbauen.
Weitere Informationen zur technischen Entwicklung stellt Starlink auf seiner offiziellen Starlink-Mobile-Seite bereit.
Montenegro wird für Starlink immer interessanter
Dass Montenegro ausdrücklich für Starlink Mobile V2 genannt wird, ist besonders bemerkenswert. Denn SpaceX bereitet seine Präsenz in dem kleinen Balkanland bereits auf mehreren Ebenen vor.
Wie wir bereits berichtet haben, wurde in Montenegro inzwischen eine eigene Starlink-Gesellschaft gegründet. Damit wurden wichtige organisatorische Voraussetzungen für einen möglichen regulären Starlink-Start geschaffen.
Mehr dazu:
→ Starlink Montenegro: Firma gegründet – Start rückt näher
Nun kommt mit Starlink Mobile eine weitere Perspektive hinzu. Dabei handelt es sich allerdings um zwei unterschiedliche Dienste: Der klassische Starlink-Breitbandanschluss benötigt eine Starlink-Antenne, während Starlink Mobile die direkte Kommunikation mit kompatiblen Smartphones ermöglichen soll.
Und was ist mit Bosnien und Herzegowina?
Für uns besonders interessant ist natürlich die Frage nach Bosnien und Herzegowina.
Hier muss man derzeit vorsichtig bleiben: Bosnien und Herzegowina wird in der aktuellen Vereinbarung zwischen 4iG und SpaceX nicht ausdrücklich als Markt für Starlink Mobile genannt.
Eine Einführung von Starlink Mobile in Bosnien und Herzegowina ist daher aktuell nicht bestätigt.
Die Entwicklung ist dennoch interessant, weil sich Starlink gleichzeitig um den regulären Markteintritt in Bosnien und Herzegowina bemüht. Wie SmartphoneAmigo.de bereits berichtet hat, läuft dort das regulatorische Verfahren rund um Starlink.
→ Starlink in Bosnien-Herzegowina: Lizenzantrag läuft – Start rückt näher
Dass Starlink Mobile nun in mehreren Ländern des Westbalkans geplant ist, erhöht zumindest die strategische Bedeutung der Region für SpaceX. Daraus lässt sich aber noch keine bestätigte Starlink-Mobile-Einführung in Bosnien und Herzegowina ableiten.
Auch die Deutsche Telekom arbeitet bereits mit Starlink zusammen
Die Zusammenarbeit mit 4iG ist zudem nicht das einzige europäische Signal in Richtung Satelliten-Mobilfunk.
Auch die Deutsche Telekom und Starlink haben bereits eine Partnerschaft vereinbart. Ziel ist ebenfalls, bestehende Mobilfunknetze um eine satellitengestützte Verbindung zu ergänzen und damit insbesondere Funklöcher zu reduzieren.
Über diese Kooperation haben wir ausführlich berichtet:
→ Das Ende der Funklöcher? Telekom und Starlink besiegeln Partnerschaft für Satelliten-Mobilfunk
Damit zeichnet sich eine klare Entwicklung ab: Satellit und klassischer Mobilfunk werden zukünftig nicht zwangsläufig miteinander konkurrieren. Stattdessen könnten beide Netzarten immer stärker miteinander verschmelzen.
Starlink Mobile könnte Funklöcher deutlich reduzieren
Die wohl spannendste Eigenschaft von Starlink Mobile liegt deshalb nicht darin, bestehende Mobilfunknetze zu ersetzen. Vielmehr könnten die Satelliten genau dort einspringen, wo diese Netze an ihre Grenzen kommen.
Besonders auf dem Westbalkan gibt es zahlreiche dünn besiedelte und bergige Regionen. Ein flächendeckender Ausbau mit klassischen Mobilfunkmasten ist dort technisch aufwendig und teilweise wirtschaftlich wenig attraktiv.
Satelliten-Mobilfunk verändert diese Rechnung. Ist ein geeigneter Starlink-Satellit erreichbar und sind die regulatorischen sowie technischen Voraussetzungen erfüllt, könnte das Smartphone auch weit außerhalb der Reichweite eines klassischen Mobilfunkmastes eine Verbindung herstellen.
Keine Starlink-Schüssel mehr notwendig
Für Verbraucher dürfte genau das der entscheidende Unterschied sein. Wer Starlink heute als klassischen Internetanschluss verwendet, benötigt entsprechende Starlink-Hardware und eine freie Sicht zum Himmel.
Bei Starlink Mobile soll dagegen das Smartphone selbst zum Endgerät für die Satellitenverbindung werden. LTE-kompatible Geräte können nach Angaben von 4iG ohne spezielle Satellitenausrüstung angebunden werden.
Starlink hat die erste Generation seiner Direct-to-Cell-Konstellation bereits massiv ausgebaut. Im Fortschrittsbericht für 2025 nennt das Unternehmen mehr als 650 entsprechende Satelliten.
Mobilfunkmast im All statt Konkurrenz zum Mobilfunkanbieter
Die Vereinbarung zwischen 4iG und SpaceX zeigt, wohin sich der Mobilfunk in den kommenden Jahren entwickeln könnte. Starlink muss dabei nicht zum klassischen Mobilfunkanbieter werden. Stattdessen stellt SpaceX eine zusätzliche Netzebene bereit, die bestehende Mobilfunkunternehmen in ihre Angebote integrieren können.
Ungarn und Albanien sollen bei der aktuellen 4iG-Kooperation den Anfang machen. Mit Starlink Mobile V2 sollen später Montenegro und Nordmazedonien hinzukommen.
Gerade für den Westbalkan könnte diese Entwicklung erhebliche Bedeutung haben. Berge, abgelegene Ortschaften, Küstenregionen und andere schlecht erschlossene Gebiete gehören zu den Einsatzbereichen, in denen Satelliten-Mobilfunk seine größten Vorteile ausspielen kann.
Bosnien und Herzegowina gehört bislang zwar nicht zu den offiziell genannten Starlink-Mobile-Märkten. Angesichts der laufenden Starlink-Aktivitäten im Land und des zunehmenden Engagements von SpaceX auf dem Westbalkan bleibt die weitere Entwicklung jedoch äußerst interessant.
Quelle:
4iG Group – Vereinbarung mit SpaceX zur Einführung von Starlink Mobile, 2. September 2026
Starlink – Starlink Mobile
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